Maßnahmen zum Klimaschutz im Weinbau

Bereits vor etwa 8000 Jahren haben Menschen im heutigen Kaukasus damit begonnen, Wein zu kultivieren. Wein galt lange als Kulturpflanze, die in einer gemäßigten Klimazone bis zum 50. Breitengrad angebaut wurde. Jedoch wurde Wein schon einmal in einer Warmphase im 12. Jahrhundert bis ins heutige Norddeutschland in der Nähe von Potsdam angebaut. Seit einigen Jahren wird Wein sehr erfolgreich in Schweden und sogar im Fjord von Bergen in Norwegen angebaut. Somit ist Wein ein Indikator dafür, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Seit
dem Jahr 1950 hat sich die durchschnittliche Temperatur in den Weinbaugebieten um zwei Grad Celsius erhöht. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Weinbaus, in Europa sind Weintrauben gleich nach dem Anbau von Weizen das wichtigste Agrarprodukt und 70 Prozent des Weins weltweit wird in Europa hergestellt, sind Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels wichtig. Die Maßnahmen zum Klimaschutz beschränken sich allerdings nicht nur auf die Adaption, sondern auch auf die Mitigation, also Maßnahmen zur Vermeidung von klimaschädlichen Gasen, wie Lachgas (N2O), Kohlendioxid (CO2) oder Methan (CH4).

Das Sustainable Europe Research Institute (SERI) hat in einem Projekt in der Modellregion Traisental den CO2 Fußabdruck für Wein ermittelt. Die erforderlichen Daten wurden in neun Traisentaler Betrieben erfasst. Über den gesamten Produktionszyklus von der Produktion des Rohmaterials, der Weinherstellung, der Herstellung von Verpackungen, der Werbung, dem Handel und der Zeit nach dem Ausbau des Weins aus den Betrieben wurde bezogen auf einen Liter Wein ein Emissionswert von 1,7 kg CO2 ermittelt. Wird die Abholung des Weins berücksichtigt, kommt noch einmal ein Emissionswert von 0,2 kg CO2 hinzu.

Die Untersuchung hat ergeben, dass auf der Weinbaufläche der Dieselverbrauch der landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge und der Düngemitteleinsatz von Mineralien die größten Einsparpotenziale bieten. Modernere Maschinen und weniger Durchfahrten durch den Weinberg würden die Freisetzung treibstoffbedingter Emissionen reduzieren. Die Bodenbegrünung sorgt hier allerdings für eine Reduktion des Kohlenstoffs durch dessen Speicherung im Boden.

Der Energieeinsatz im Weinkeller bietet ebenfalls Einsparpotenzial. Die Einsparung von Pumpen ließe sich durch eine produktionsorientierte Bauweise des Weinkellers erreichen unter Ausnutzung der Schwerkraft. Die Verpackung des Weins hat einen Anteil von 45 Prozent am Gesamtergebnis. Die Herstellung einer traditionellen Weinflasche bietet somit das größte Einsparpotenzial. Welche Materialien, Formen und Größen sich am Ende durchsetzen werden oder ob verschiedene gleichwertige Alternativen nebeneinander bestehen werden, bleibt abzuwarten.

Der Wert von 0,2 kg CO2 für die Abholung stellt lediglich den Wert für einen Kilometer mit einem durchschnittlichen Pkw dar und wird durch längere Anfahrtswege entsprechend höher. Daraus ergibt sich, dass beispielsweise ein Transport zu mehreren Kunden gleichzeitig weniger Emissionen zur Folge hätte.

Eine Folge der höheren Temperaturen in den Weinbaugebieten ist, dass sich Pilze und Bakterien vermehrt auf den Trauben ansiedeln. Zudem wird die Traubenhaut in milden Herbstnächten durchlässiger. Dies wirkt sich nachteilig auf die Qualität des Weins aus. Rotwein verliert dadurch an Farbe und Weißwein Aroma. Gegenmaßnahmen werden erforscht und zielen auf die Widerstandsfähigkeit traditioneller Rebsorten ab. Durch Züchtungen ist es gelungen, traditionelle Rebsorten gegen den Befall von Botrytis und Essigbakterien auf der Beerenhaut widerstandsfähiger zu machen. Eine Gegenmaßnahme gegen Pilzbefall wird schon länger praktiziert. Durch das Entfernen von Blättern in der Traubenzone zum richtigen Zeitpunkt erhält eine Traube nicht nur mehr Licht, sondern wird durch schnellere Trocknung darüberhinaus vor Pilzbefall geschützt. Dadurch entfällt die Behandlung mit Fungiziden bzw. wird auf ein Minimum reduziert und spart ebenfalls Fahrten auf der Anbaufläche ein.

In Amerika bzw. in Kalifornien erhalten Winzer Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Anbauflächen durch die NASA. Wissenschaftler der NASA stellen eine Methode zur Verfügung, die von Flugzeugen und Satelliten aus den Chlorophyll-Gehalt der Weinblätter misst. Durch eine Kombination der aus dem All gewonnenen Daten und solchen, die am Boden erfasst wurden wie Blattdichte und Bodenqualität, werden Karten zu den Lagen eines Weinberges erstellt. Durch die Auswahl der geeigneten Rebsorte kann Wein wirtschaftlicher produziert werden.

Eine weitere Einsparmöglichkeit von Energie besteht dort, wo im Winterhalbjahr eine Zusatzbelichtung im Gewächshaus durch Natriumhochdruck-Dampflampen erfolgt. Hier gibt es einige vielversprechende Ergebnisse mit LED-Lampen, die mit verschiedenen Lichtfarben ausgestattet sind und die mehr als 30 Prozent Energie einsparen.

Bei der Bewässerung können Pumpen, die mit Solartechnologie oder Windkraft betrieben werden, eingesetzt werden, die zusätzlich mit Aggregaten ausgestattet sind und die Pumpleistung für eine bestimmte Zeit auch dann aufrechterhalten, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind ausreichend vorhanden ist.

Der Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben im Weinberg, die beispielsweise die Reblaus dezimieren, gehört ebenfalls zu den Methoden, die mit einfachen Mitteln den Einsatz von chemischen Mitteln auf ein geringes Maß reduzieren oder überflüssig machen, und damit Fahrten auf der Anbaufläche auf ein Mindestmaß reduzieren.

Maßnahmen zur Anpassung an ein verändertes Klima und Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen der Treibhausgase sind bekannt und werden bereits eingesetzt. Wenn es gelingt, die Emissionen für Verpackung und Transport zu senken, sind Verbesserungen in der Klimabilanz im Weinbau von erheblichem Umfang zu erwarten.

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